Nur etwa 150 Meter ist die Pfleghofstraße lang. Und sie bekommt heute auch kaum noch Beachtung. Aber bis zum großen Brand 1789 war sie die Hauptverbindung zwischen dem Lustnauer Tor und dem Neckartor. Denn erst nach diesem Brand wurde die Neue Straße angelegt und erst fast hundert Jahre später (1887) war die Mühlstraße fertig. Parken im Stadtgraben, Toiletten, Kartoplan-Ausschnitt.
Ich gehe gerne durch die Pfleghofstraße, vor allem um dem Lärm in der Mühlstraße oder dem Gewühl in der Neuen Straße auszuweichen. Aber sie reizt mich auch, weil sich an ihr so schön die Dynamik einer Stadtentwicklung zeigt. Ist sie eine sterbende oder eine aufstrebende Straße? Werden noch mehr Läden geschlossen? Welche Läden entstehen? Beginn der Pfleghofstraße am Lustnauer Tor Mit grossem Interesse verfolgte ich die Diskussion (seit Herbst 2000) zur Umgestaltung dieses Bereichs. Im Jahr 2010 soll es nun ernst werden. Die Geschäftsleute haben es nicht leicht. Obwohl im Prinzip die Pfleghofstraße sehr verkehrsgünstig gelegen wäre, ist es offenbar für viele nicht attraktiv, durch sie zu gehen. Der Pfleghof, von der Stiftskirche gesehen Und viele wissen einfach gar nicht, dass man hier - neben der Mühlstrasse - eine kurze und viel angenehmere Verbindung zur Neckargasse hat und es einige wirklich einzigartige Geschäfte gibt. Besonders gerne sehe ich mir die Auslagen vom Hut-Klett an. Da gibt es immer wieder neue interessante Kopfbedeckungen zu sehen. Und wenn ich Nachschub für meine Baskenmützen brauche, freue ich mich auf ein Schwätzchen mit der überaus charmanten Chefin!
Hut Klett in der Pfleghofstraße Kinderkleidung im FinKid Store in der Pfleghofstraße Wer langsam durch die Pfleghofstraße geht, kann die Aufschriften studieren. Sowohl hinter dem Hochmannium, wie auch dem Hause von Crusius verbergen sich interessante Geschichten. So hat Crusius in seinem Tagebuch minutiös das akademische Leben Tübingens von 1573 bis 1604 notiert. Und der Jura-Professor Hochmann hat in seinem Haus Studenten freie Wohnung und 'einen sehr guten Tisch' geboten. Es ist doch erfreulich, dass seine Großzügigkeit nicht vergessen wurde.
Auch heute noch geben viele StudentInnen die Pfleghofstraße 2 als ihre Tübinger Adresse an. Sie wohnen aber heute im Pfleghof selbst, im Studentenwohnheim.
Der Bebenhäuser Pfleghof, der dieser Straße den Namen gebeben hat, war der klösterliche Verwaltungssitz von Bebenhausen. Man sieht ihm aber auch heute noch seine einstige Funktion als Kelter, Lagerraum und Marktplatz an. Der Innenhof ist ein angenehmer Veranstaltungsort, der aber dafür wenig genützt wird.
Neben dem Studentenheim sind auch andere Einrichtungen in ihm heute untergebracht, wie z.B. die Polizeistation Stadtmitte. Am bedeutendsten ist das Collegium Musicum, das gelegentlich eigene Führungen hat, die man unbedingt wahrnehmen sollte. Besonders der Fechtboden und die Kapelle verdienen Beachtung! Leider sind beide aber nicht immer zugänglich. Interessant sind auch die zwei Gewölbekeller, die manchmal für Veranstaltungen benutzt werden Unbedingt etwas verweilen sollte man an der Höhe des Schulbergs über dem Pfleghof. Für mich einer der schönsten Plätze Tübingens. Leider aber ist der kleine Park neben dem Notariat meist verschlossen. Mit der geplanten Umgestaltung der Mühlstraße wird sich das hoffentlich ändern! Der Blick vom Schulberg auf die Stadt erinnert mich an Paris, die meisten Tübinger aber wird er eher an bange Weg zum Notariat oder zum Amtsgericht erinnern. Von hier ist so nahe zum Holzmarkt vor der Stiftskirche, dass man sogar die Straßenmusik von dort hören kann. Wer die Neckargasse hochgeht, wird dann kaum die Pfleghofstraße gehen und den kürzesten Weg zum Lustnauer Tor zu nehmen. Der kleinen Hügel am Anfang schreckt dann doch viele ab. Straßenmusik am Anfang würde die Besucherströme etwas umlenken. Das wäre doch einmal einen Versuch wert! In der Nacht fehlt es an attraktiver Beleuchtung. Die Pfleghofstraße bedarf der Unterstützung der Stadtverwaltung, soll sie wieder aufblühen. Heute sind Tafeln auf der Straße die einzige Möglichkeit die Besucher in die Geschäfte zu locken. Mehr aber ist notwendig und vieles ist denkbar! Vielleicht aber animiere ich auch einige Tübinger und Besucher ihren Weg statt durch die Mühlstraße gelgentlich über die Pfleghofstraße zu nehmen. Es würde mich sehr freuen! Denn für mich ist die Pfleghofstraße mit ihren Gebäuden und Innenhöfen ein ungehobener Schatz Tübingens, der mehr Beachtung und Engagement verdienen würde! Vor allem der Pfleghof selbst birgt viele Möglichkeiten, die nur entwickelt werden müssten! |
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