| Die Wurmlinger St. Remigius Kapelle liegt 475m hoch am westlichen
Ausläufer des Spitzberges, dem Kapellenberg, östlich des Ortes Wurmlingen, zwischen Tübingen und Rottenburg. Man kann sie sowohl vom Ammertal als auch vom Neckartal
in ihrer einzigartigen Lage bewundern. Wer sie über den Kreuzweg erklimmt, hat eine überragende Aussicht in beide Täler, fast wie vom Flugzeug aus. Im
Jahre 2000 wurde sie 950 Jahre alt, Wurmlingen selbst feierte mit einem Dorffest vom 23.8.
- 25.8.2000 das 900 jährige Jubiläum.
Nur die Krypta erinnert noch an den romanischen, unter Papst Leo IX 1050 vollendeten Bau. Die Kirche wurde im Dreißigjährigen Krieg ein Opfer der Flammen und wurde im 17. Jahrhundert neu aufgebaut. Ihre heutige Form bekam die Kapelle erst in den Jahren 1962/63 (wer hat noch weitere Bilder von früheren Ansichten, die ich hier zum Vergleich zeigen könnte?).
Im Jahre 1687 wurden die Kreuzwegstationen errichtet. 1780 verlor sie ihre Pfarrrechte an die Kirche im Dorf. Aber unverändert über die Jahrhunderte ist sie ein beliebtes Wallfahrts- und Ausflugsziel geblieben. Und rund um die Kapelle, so wie etwas unterhalb, ist immer noch der Friedhof von Wurmlingen. Einen originellen Rundblick von der Kapelle Richtung Norden und Westen findet man hier.
Das berühmte Gedicht von Ludwig Uhland (Droben stehet die Kapelle) stammt aus dem Jahre 1805. Heute ist die Kapelle u.a. am Karfreitag der Ort der Processione del Cristo Morte, die allerdings im Jahre 2000 ausfallen musste. Das Gasthaus 'Zur Wurmlinger Kapelle' wurde 2004 dauerhaft geschlossen.
Bilder von einer Führung am 11.10.2006 mit der Mesnerin Gisela Hertel aus Wurmlingen Ludwig Uhland hat im 21. September 1805 nach einem Spaziergang mit Freunden das Gedicht "Droben stehet die Kapelle" geschrieben. Nach zweihundert Jahren, am 25.9.2005, haben lokale Politiker und Vereine und etwa 200 BürgerInnen mit einem Festakt am Fuße der Wurmlinger Kapelle daran erinnert. Mitwirkende waren Oberbürgermeister KlausTappeser aus Rottenburg und Bürgermeister Eugen Höschele aus Tübingen, die Ortsvorsteher Ulrich Latus aus Hirschau und Hans-Dieter Bauschert aus Wurmlingen, der Männerchor der Chorgemeinschaft Tübingen unter der Leitung von Sibylle Brückel, der Musikverein Wurmlingen, die Trachtengruppen aus Wurmlingen und Hirschau, der Obst- und Weinbauverein Hirschau und rezitiert hat Ute Jönsson aus Weilheim. Bei bestem Wanderwetter hat in flottem Tempo Kulturamtsleiter Prof. Wilfried Setzler die große Wandergruppe in 90 Minuten vom Schlosshof in Tübingen entlang des Jakobsweges nach Wurmlingen geführt. Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, die die enge Verbundenheit von Rottenburg und Tübingen wieder einmal harmonisch gezeigt hat! Die Idee zum Dichterwettstreit kam bei einer fröhlichen Runde im Wiesstüble in Pfäffingen, das vor einigen Jahren noch einen Traumblick auf die Kapelle bot. Der Gastgarten ist inzwischen von Häusern eingezäunt, die Wirtschaft geschlossen. Bei heißem Sommerwind soll man am Friedhof den Eindruck haben, über die Landschaft fliegen zu können. So kam es zur ersten Zeile: "Wenn heiße Winde deine Flanken streichen!" Der Vollständigkeit halber habe ich dann auch die Klassiker zur Wurmlinger Kapelle hier aufgenommen.
Ludwig Uhland Droben stehet die Kapelle, Traurig tönt das Glöcklein nieder, Droben bringt man sie zu Grabe, Christian Reinhold Köstlin Droben seit vielhundert Jahren Wenn der Abend kommt gegangen Rings umwandeln sie den Hügel, Was da lebt, soll Leben sprühen; Geh, denn rüstig fort, o Wandrer!
Foto von Toni Echter Die Wurmlinger Kapelle Luftig, wie ein leichter Kahn, Rötlich kommt der Morgenschein Einst bei Sonnenuntergang Leise werd' ich hier umweht Und Maria's schönes Bild Scheidend grüsset hell und klar Freundlich schmiegt des Herbstes Ruh Und der Baum im Abendwind Alles schlummert, Alles schweigt, Hier ist all mein Erdenleid An die Wände der Wurmlinger
Bergkapelle geschrieben Wie die Heiligen, die dich bewohnen, Einen Platz nur hast du von der Erde Lieblich blicket nach dem Feld der Leichen Liebeskrank wird Liebe nur es heilen: Aber du, geheiligte Kapelle,
Clemens, am 4.10.1987, animiert durch C. R. Köstlin Wenn heiße Winde Deine Flanken streichen, Ein Blick ins Land, o Wurmlinger Kapelle, Besungen wirst Du oft, befühlt noch kaum, Heiner, 4.10.1987, animiert von Clemens Wenn heiße Winde Deine Flanken streicheln, Wir rasten dann im Schatten der Kapelle, Oh weile, weile hier im Talesgrunde (von Christine, 4.10.1987, animiert von Heiner) Wenn heiße Winde Deine Flanken streichen, So langsam kehr ich mich zur Ruhe So nehm ich Abschied dann erst spät am Tage
Annelore, 17.10.1987 (ist kurz danach verstorben) Wenn heiße Winde Deine Flanken streichen, Ich wünsche mich hinauf zu Dir, Kapelle! Ich wünsche mich hinauf in Deinen Garten Klaus B. aus Frankfurt am Main, Dezember 2001, Wenn heiße Winde über deine Flanken streichen, Da gingen Jahre schon vor mir der Hegel und der Hölderlin Werd einmal ich noch wiedersehn
Im Schwäbischen Heimatbuch 1934 (pp 81 - 86) schreibt Anton Pfeffer aus Rottenburg anlässlich einer 900 Jahr - Erinnerung über die Wurmlinger Kapelle im schwäbischen Geistesleben, dass Ludwig Uhland mit seinen Gedichten bis zu 30.000 Gulden verdient hatte. Der Ruhm der Wurmlinger Kapelle war schon 1911 (also etwas mehr als 100 Jahren nach der Veröffentlichung des Gedichtes) so groß, dass nach dem Erdbeben am 16.11.1911, bei dem die Kapelle teilweise zerstört wurde, es nur kurze Zeit (bis 1913) dauerte, bis so viel Geld gesammelt wurde, dass die Wiederherstellung erfolgen konnte. Seit vielen Jahren führt der gebürtige Wurmlinger Jürgen Binder Besucher hoch zur Kapelle und hat dabei nicht nur Kirche und Friedhof, sondern stets auch den Ort und die umliegenden Weinberge im Blick. Terminvereinbarungen sind möglich unter: E-Mail: binder.j@gmx.de, Tel. 0172 / 73 55 416. Ein beliebter Test im Tübinger Freundeskreis: Wo ist das kleine Türmchen auf der Kapelle, im Westen oder im Osten? Sie werden von den Antworten überrascht sein! . |
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